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35. Shanna

  Verwundert über die au?ergew?hnliche Frage von Emily runzelte Shanna weiterhin die Stirn, als versuchte sie zu begreifen, was hinter ihrem Anliegen steckte. Je l?nger sie in ihr violettes und azurblaues Auge blickte, desto weniger fand sie darin Antworten. ?Warum… willst du das... so genau wissen?“, musste sie ihre Schwester dennoch fragen, weil es nicht üblich war, dass J?ger sich in solche Tiefsinnigkeit begaben. Shanna konnte sich nicht vorstellen, dass Emily aus reiner Neugierde fragte. Ihre Erziehung als J?ger tolerierte kein Empfinden… was Entdeckerfreude beinhaltete. Dadurch, dass sie pers?nlich das kalte System ohnehin ablehnte, weil sie sich im Clan von Neil wohlfühlte und eine Ver?nderung durchschritt, die nicht mehr umzukehren war. Emily hingegen war noch mit diesem System verknüpft. Selbst bei der speziellen Begegnung mit dieser Hexe N?x?, wohin sie hin und wieder zu Besuch verschwand, aber kurz darauf wieder ins Hunter-Hauptquartier von London zurückkehrte. Ein Leben aus zwanghafter Ordnung, K?lte und Disziplin, weil ihr Verstand wie bei Maschinen programmiert wurde, sodass sie Befehle ohne Widerstand befolgten.

  Ein Schimmer von Traurigkeit huschte über Emilys Augen, verschwand aber schlagartig wieder, wie Shanna es wahrgenommen hatte. Hatte sie das gerade richtig gedeutet? Es war viel zu schnell, als glaubte sie, als w?ren ihre Augen durch die sp?rlich beleuchtete H?hle zum Opfer einer T?uschung geworden. ?Ich…“, setzte Emily an, doch mit einem Z?gern, das ihr nicht entging. ?Ich will wirklich nur… dich verstehen. Ich wei?, wir als J?ger dürfen… nichts hinterfragen. Aber… du hast dich für deinen Weg entschieden, weil du ein Leben mit diesem Mann verbringen willst“, erz?hlte sie weiter und deutete mit einem Ruck ihres Kopfes zu Neil hin, der ihnen den Rücken zugekehrt hatte und dasa?… mit hoher Konzentration, w?hrend er sich dem magischen Papier widmete. ?Dadurch, dass für mich diese Option zur Rückkehr zu den J?gern nicht mehr zur Verfügung steht, will ich es nur verstehen und was es für dich bedeutet. Ich sollte es lernen, weil alles au?erhalb mit Dingen verknüpft ist, die uns seit unserer Geburt genommen wurde. Du wei?t, wovon ich spreche, aber allein der Instinkt zu k?mpfen… sollte ich es dann nicht versuchen… zu lernen und sodass ich es begreife?“

  Shannas violette Augen weiteten sich bei der Frage ihrer Schwester und ihr Herz stolperte ungeschickt in ihrer Brust, als stolperte es über sein eigenes Klopfen. Was Emily ihr damit vermitteln wollte… war eindeutig und dazu gemischt mit einer Art Hilferuf, den sie nie erwartet h?tte. Noch einmal ging Shanna tief in sich und sammelte alle Informationen zusammen… die sie im Laufe ihres Lebens erhalten hatte. Nicht nur ihr Leben war von der eisigen Erziehung durchzogen, als würde der tiefste Winter nie verschwinden. Emily besa? ebenfalls diese tiefen, kalten Abgründe, die sich wie finstere, immense unerforschte Schluchten durch den gefrorenen Boden zogen. Nur eben auf eine andere Art und Weise… die noch dunkler und tiefer reichte. Wenn ihre Lebensgeschichte wirklich stimmte und alles, was sie hatte ertragen müssen... was ihre Wenigkeit beinhaltete... dann konnte Shanna Emilys grausame Einsamkeit spüren. Sie ?hnelte der ihren, wurde aber bei Weitem von ihr übertrumpft. Emily war gleichzeitig nicht nur ihre Schwester, sondern besa? einen tiefsitzenden Platz in ihrem Inneren. Sie war ihre Mutter… die sie zur Welt gebracht hatte, nur um sich danach von ihr trennen zu müssen. Shanna müsste lügen, wenn sie nicht das arge Bedürfnis in den Augen ihrer Schwester erkannt h?tte. Es war an der Zeit, sich langsam damit vertraut zu machen und zu versuchen, damit umzugehen... und zu entscheiden, was sie selbst von dieser Art Bindung wollte.

  Wollte Shanna ihr Leben wie bisher verbringen, mit dem Gefühl, dass sie nur ein Schwesternband miteinander verband? Oder tieferreichender… mit dem zarten, hauchdünnen Band zwischen Mutter und Tochter?

  Ohne dass Shanna es wirklich begriff, lie? sie nach. ?Es ist der Duft“, antwortete sie leise, aber durch die Reaktion und das Zucken von Emily wusste sie, dass sie sie vernommen hatte. Leicht erhitzten sich ihre Wangen unter der Beobachtung ihrer Schwester, die verwirrt schaute.

  ?Der Duft?“, erwiderte Emily irritiert wiederholend und das Runzeln ihrer Stirn vertiefte sich, als begreife sie diese Aussage nicht, aber wollte es wahrhaftig verstehen lernen.

  Kurz schielte Shanna zu Neil herüber, der nicht aufschaute und als würde er nichts von ihrem Gespr?ch mitbekommen. Oder die des anderen Wolfes und der Kinder. Sie schienen alle mit ihren eigenen Gedanken besch?ftigt zu sein, aber sie besa?en solch ein feines Geh?r, dass es sie nicht wundern würde, wenn sie bei ihrem Gespr?ch belauscht wurden. ?Ja, meine Freundin erkl?rte mir… dass Gef?hrten sich erkennen, wenn sie einen besonderen Geruch wahrnehmen. Ein Duft… den nur sie selbst wahrnehmen, aber kein anderer“, erkl?rte Shanna mit dünner Stimme und ihr Gesicht flammte immer mehr auf… es wurde hei?er in ihr drinnen, wenn sie nur an den Augenblick zurückdachte, als sie in Neils Wohnung nach einer logischen Erkl?rung gesucht hatte. Sie hatte seine Wohnung fast komplett durchsucht… nur um am Ende festzustellen, dass dieser bet?rende Geruch von diesem Mann selbst kam.

  Leicht neigte Emily ihren erdbeerblonden Schopf, als d?chte sie intensiv nach und als versuchte sie, Shannas Worte weiter zu ergründen. Am Anfang hatte Shanna es auch nicht gewusst, was Sorcha damals damit meinte, aber sie begriff es mit ihrer… wie sie jetzt feststellte, aberwitzigen Handlung und wie verzweifelt sie nach einer logischen Erkl?rung für den Geruch von Zimt gesucht hatte, der dauernd in ihrer Nase hing, als k?nnte er sich nie mehr l?sen. ?Wonach duftet dein Gef?hrte? Ich… verstehe nicht wirklich, was du darunter meinst. Tr?gt er ein gewisses Parfüm, wie viele es auftragen, damit sie gut riechen?“, erklangen Emilys Worte so nüchtern und suchend nach dem Sinn dahinter.

  Shanna schluckte leicht und benetzte ihre Lippen mit der Zunge, um Feuchtigkeit zu finden. ?Nein“, schüttelte sie den Kopf, als erkl?rte sich das nicht aus diesen Prinzipien. ?Für mich… wenn Neil da ist, duftet er nach… Zimt“, hauchte sie das letzte Wort heraus und ihre dunkle ockerfarbene Haut musste jetzt mit Sicherheit noch dunkler erscheinen, weil die R?te sie weiter vertiefte. Ihre Wangen brannten und leicht legten sich ihre kalten, nassen H?nde auf sie… sie kühlten angenehm.

  Emily bewegte sich vor ihr und ihre Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf ihre Schwester, die noch verwirrter dreinblickte als vorher. ?... Zimt?“, wiederholte sie und ihr zweifarbiger Blick musterte Neil, der noch immer im Schneidersitz dasa?, als w?re nichts. Shanna war nur innerlich froh, ihn wiederzusehen. ?Ich… ich rieche keinen… Zimt.“

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  ?Weil auch nur ich… ihn wahrnehme, Emily“, erl?uterte Shanna und sie war froh darüber, dass nur sie ihn wahrnehmen konnte. Nur für sich selbst wollte sie für Neil etwas Besonderes sein und… umgedreht das Gleiche. Egal, wie stark dieses Bedürfnis in ihr verankert war, es existierte und das allein z?hlte.

  ?Ich… verstehe zwar nicht ganz, was das wirklich bedeutet“, gab Emily zu und ihre Augen waren intensiv neugierig auf ihre eigenen gerichtet. ?Wenn du ihn als Zimt wahrnimmst, nimmt der Wolf auch den gleichen Duft wahr, sodass er exakt übereinstimmt und ihr euch damit identifiziert k?nnt?“ Was eine durchaus ideologiefreie Frage und Antwort zugleich w?re.

  Verwundert hob Shanna beide schwarzen Augenbrauen und dachte nach. Sie… sie wusste es nicht. ?Ich…“

  ?Lavendel“, unterbrach Neil Shanna in ihrem Kopf, als sie ihrer Schwester gerade antworten wollte. Ihre violetten Augen suchten seine Aufmerksamkeit und sie erkannte, dass Neil sie beobachtete. Ein zartes L?cheln lag auf seinem Gesicht, seine braunen Augen leuchteten warm und sinnlich, was ihr Herz h?her schlagen lie?. Er hatte ihr Gespr?ch belauscht und in ihrem Bauch flatterten kleine Schmetterlinge nerv?s umher. ?So duftest du für mich, mo àilleag. Du duftest für mich wie beruhigender Lavendel… wie auf den wilden Lavendelfeldern, was für mich wie ein Zuhause anfühlt… ein Duft nach meiner alten Heimat in den Highlands. Mein Wolf und ich lieben ihn.“

  Mit einer z?rtlichen Berührung spürte Shanna ein tiefes Ziehen in sich, als berührte Neil sie mit seinen H?nden gleichzeitig… und überall. Erneut wusste sie... er umfasste ihr mentales Band, das sie im Rudelclan miteinander vereinte. Bisher hatte sie selbst diesen Trick noch nicht herausgefunden, wie sie es sehen, spüren und selbst berühren konnte, aber dafür fühlte Shanna es intensiver als alles andere. ?Oh…“, rutschte Shanna dieser zaghafte Laut über die weichen Lippen und verst?rkte das Gefühl in ihrem Magen. ?Lavendel… solch einen Duft verstr?me ich für… ihn“, wisperte sie heiser vor sich hin, ohne Neil aus den Augen zu lassen, weil sie sich von seinem Blick magisch angezogen fühlte.

  Nach gefühlten Minuten, als sich mit einem erschrockenen Zucken Finger unter ihr Kinn legten, sodass Shannas Gesicht sich unbewusst in eine andere Richtung umgelenkt wurde. Schon einige Male hatte Emily diese zarte… zu z?rtliche Geste bei ihr angewandt. Auch schon als sie ein Kind war, vollführte ihre Schwester diese Geb?rde. Nun verstand sie den besonderen Hintergrund darin… eine mütterliche Geste der Zuwendung. Ihr Herz zog sich augenblicklich in ihrer Brust zusammen und ihre Kehle wurde eng… w?hrend des Begreifens. ?Eigentlich…“, formten Emilys Lippen langsam und bedacht, ihr Kinn weiterhin mit ihren schlanken Fingern umfasst. ?Eigentlich besitze ich kein Anrecht oder… das Zugest?ndnis dafür. Aber… ich m?chte, dass du wei?t… egal, ob durch mein Versagen dir gegenüber, wie stolz ich bin, dass du dein eigenes Leben… gew?hlt hast. Ich kann verstehen, dass ich nicht das in deinem Leben sein werde, was ich mir vom ersten Augenblick gewünscht habe, als du geboren wurdest. Dennoch freue ich mich für diesen tief verborgenen, versteckten Teil in mir, den ich nie zeigen durfte… und das tue ich wirklich, weil mir dein Leben nie egal war, Shanna.“

  Ihr Kopf war nach diesen Worten wie leer gefegt, die Augen aufgerissen, der trockene Mund leicht vor Verwirrung offen, w?hrend ihr Herz erneut stolperte und krampfhaft versuchte, in den normalen Takt zurückzufinden. Dennoch brachte Shanna kein Wort über die Lippen... die angeborene Stille fühlte sich in ihren Ohren wie ein Rauschen an, das ihr Blut durch die Adern pumpte. Ein Gefühl… das sich innerlich überschlug und ein nie gekanntes Unbehagen in ihre Augen steigen lie?. Unterdrückte Emotionen, die sich noch mehr in ihrem Unterbewusstsein angeh?uft hatten. Sie stiegen empor und zerrütteten ihr Inneres auf brutalste Weise.

  Ohne ein Wort über die Lippen zu bekommen, erstarrte sie, sprachlos und… überfordert. Pl?tzlich legte sich eine riesige, schwielige Hand über ihre Augen. Sanft beschirmend und zurückdrückend, w?hrend Shanna im n?chsten Augenblick an eine warme, nackte Brust gedrückt wurde. Sie wusste sofort, wer sie umhüllte und in einer Umarmung wie in einem schützenden Kokon wiederfand. Der verführerische Duft nach Zimt umschwirrte sie wie das intensivste Gewürz... beruhigend und wie in einen warmen Mantel eingewickelt. Neil musste ihre innere Unruhe und überforderung durch Emilys Worte gespürt haben. Seufzend ergab sie sich diesem Mann. Erst als Shanna seine wirkliche Pr?senz wahrnahm und akzeptierte… verspürte sie den pl?tzlichen Drang, sich an seinen gro?en, massiven K?rper zu lehnen, sich von seiner überw?ltigenden Hitze und Breite umschlingen und stützen zu lassen.

  Neils riesige, grobe Handfl?che umfasste ihren kompletten Hinterkopf, Shanna spürte den sanften Druck auf ihrer Kopfhaut… wie sich seine Berührung durch ihr schwarzes, zusammengebundenes Haar brannte. Erst da erlaubte sie sich ein tiefes, tr?stendes Seufzen, das durch das Bergen ihres Gesichts an seiner seidigen, gest?hlten Brust ged?mpft wurde. Erst da gestattete Shanna sich, wie qu?lend langsam ihre Augen flatternd schlossen und sie sich der W?rme und dem Schutz dieses Mannes hingab. Sie vertraute ihm auf eine Art und Weise… die tiefer rührte als alles andere und sie sich gehen lie?. Ihm erlaubte sie, alles zu fordern, wonach Neil verlangte. Erst da g?nnte sie sich, wie ihr K?rper sich entspannte und sich an diesen kr?ftigen K?rper schmiegte… sich ihm entgegen lehnte und sich ihm anpasste, als w?re es das Normalste der Welt. All das innerhalb weniger Augenblicke und Sekunden. Ein letzter Gedanke, der ihr durch den Kopf ging, w?hrend sie sich in Neils Armen wirklich voller Vertrauen, Hingabe und Zuneigung fallen lie?…

  Ich bin nicht alleine… nie wieder…

  Schottisches W?rterbuch:

  Mutter: Màthair

  Vater: Athair

  Bruder: Bràthair

  Onkel: Uncail

  Gro?vater: Seanair

  Gro?mutter: Seanmhair

  Meine Herzen: Mo chridhe

  Meine Liebste: Mo ghràidh

  Mein Schatz: Mo ghràdh

  Meine Sch?ne: Mo àilleag

  Liebling: A ghràidh

  Mein Alles: Mo shonuachar

  Mein Liebster: Mo leannan

  Meine Tochter: Mo nighean

  Meine tapfere Tochter: Mo nighean ghaisgeil

  Meine Familie: Mo teaghlach

  Mein kleines M?dchen: Mo nighean bheag

  mein Seelengef?hrte: Mo anam cara

  Mein Herz und meine Seele: Mo chridhe ?s mo anam

  O mein Herz meiner Seele/ mein Seelenherz: A chridhe mo anam

  Seelenbegleiter: Anam chompanach

  Meine Fee: Mo shìthiche

  Meine Schwester: Mo phiuthar

  Meine geliebte Schwester: Mo phiuthar ghràidh

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