Kapitel 18 – Zwischen Licht und Schatten
Das Krankenhaus war erfüllt von einer gespenstischen Stille, als h?tte die Zeit selbst aufgeh?rt zu atmen.
Im Zimmer herrschte ged?mpftes Licht – warm, aber fremd, wie ein letzter Versuch, die Finsternis fernzuhalten.
Jayden lag da.
Blass wie Porzellan.
Reglos.
Umgeben von Maschinen, die für ihn k?mpften.
Chen hielt seine Hand.
Seine Finger zitterten, als würde er jeden Moment den Halt verlieren.
Jonathan sa? auf der anderen Seite des Bettes, den Blick fest auf Jaydens Gesicht gerichtet.
?Jay… bitte“, flüsterte er heiser.
?Gib uns ein Zeichen. Ein ganz kleines. Nur… irgendetwas.“
Chen fuhr ihm leise dazwischen, seine Stimme gebrochen.
?Wir sind hier. H?rst du uns? Ich… ich brauche dich. Bitte bleib bei uns.“
Doch Jayden bewegte sich nicht.
Keine Reaktion.
Nur das monotone Piepen der Ger?te.
Unbarmherzig.
Unver?ndert.
Zwischen Welten
Dann – ein Zittern.
Ein kaum wahrnehmbares Flimmern der Dunkelheit, als würde etwas unter der Oberfl?che erwachen.
Jayden fühlte K?lte.
Tiefe, stille K?lte.
Wie Wasser, das ihn umhüllte und trug.
Wo… bin ich?
Er h?rte Schritte.
Flüstern.
Echos, die sich verloren.
Dann Stimmen.
Leise.
Zerbrochen.
Als würden sie durch eine dicke Wand dringen.
Jonathans Stimme.
?Bitte verlass mich nicht… du bist mein Bruder… mein Herz…“
Chen.
?Ich liebe dich… wach auf… bitte wach auf…“
Seine Mutter.
?Mein Baby… bitte komm zurück zu uns…“
Akira.
?Es tut mir leid… es tut mir so leid…“
Jayden wollte antworten.
Er wollte schreien.
Er wollte ihnen sagen, dass er sie h?rt.
Doch seine Stimme verhallte.
Gefangen in dieser Zwischenwelt – zwischen Atem und Schatten.
Ich bin hier… ich h?re euch… bitte… zieht mich zurück…
Doch die Welt schwieg.
W?hrenddessen betrat der Kommissar den Flur vor Jaydens Zimmer.
Jaydens Vater ging sofort auf ihn zu.
?Gibt es Neuigkeiten?“
?Ja“, sagte der Kommissar ernst.
?Wir haben etwas gefunden.“
Er hielt kurz inne – als wüsste er, dass seine Worte alles ver?ndern würden.
?Ein Metallrohr. Mit Blutspuren und Tharns Fingerabdrücken.“
Jaydens Vater erblasste.
Jonathan starrte fassungslos.
Chen jedoch… erstarrte vollkommen.
Das war der Tatgegenstand.
Der Schlag, der Jayden zu Boden gerissen hatte.
Die Verletzung, die ihn jetzt zwischen Leben und Tod schweben lie?.
In Chens Blick loderte etwas Dunkles.
Etwas, das viel zu lange unterdrückt worden war.
Jonathan legte ihm schnell eine Hand auf den Arm.
?Chen… tu nichts Dummes.“
Doch Chen h?rte ihn kaum.
In seinem Inneren war etwas zerbrochen.
Ein Arzt kam hastig den Flur entlang.
Sein Gesicht war angespannt, die Stirn schwei?nass.
?Familie Smith?“
Alle drehten sich abrupt zu ihm.
Er sprach ohne Umschweife.
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?Jaydens Zustand hat sich verschlechtert. Wir haben eine Flüssigkeitsansammlung im Sch?del entdeckt. Der Druck steigt.“
Chen packte Jonathan am Arm.
?Was… hei?t das?“
Der Arzt schluckte.
?Wenn wir nicht sofort operieren… besteht akute Lebensgefahr.“
Jaydens Mutter schluchzte auf und stützte sich an ihrem Mann.
Kathie presste sich die Hand vor den Mund.
Chen flüsterte nur:
?Nein… nein… bitte nicht…“
Der Arzt fuhr fort.
?Die Operation ist riskant. Sehr riskant. Aber ohne sie… überlebt er nicht.“
Chen taumelte einen Schritt zurück.
Jonathan fing ihn sofort auf.
?Chen!“
Chen klammerte sich an ihn wie ein Mensch, der ertrinkt.
?Ich kann nicht… ich kann ihn nicht verlieren…“
Jonathan drückte ihn fest.
?Wir verlieren ihn nicht. H?rst du mich? Er k?mpft. Und wir k?mpfen mit ihm.“
Chen vergrub das Gesicht in seinen H?nden und weinte.
Pl?tzlich entstand Aufruhr am Ende des Flurs.
Eine Krankenschwester rannte panisch.
?Er darf hier nicht rein! Halt ihn auf!“
Ein Polizist versuchte jemanden festzuhalten – vergeblich.
Tharn.
Verwildert.
Unrasiert.
Mit fiebrigen, irren Augen.
?WO IST ER!?“ brüllte er.
?WO IST JAYDEN!?“
Chen riss den Kopf hoch.
?Du!?“
Doch Jonathan stellte sich sofort vor ihn.
?Chen! NEIN!“
Polizisten stürzten sich auf Tharn.
Er k?mpfte, schrie, strampelte gegen die Fesseln.
?ER MUSS MICH H?REN! ICH HABE NICHT— ICH WOLLTE NICHT—!“
Seine Worte gingen im Chaos unter.
?Ich wollte nicht, dass er stirbt! Ich wollte nur—!“
Doch man drückte ihn zu Boden.
Seine Stimme verklang im L?rm des Flurs.
Akira stand wie versteinert an der Wand.
Seine Augen waren leer vor Angst.
Kathie trat vorsichtig zu ihm.
?Du willst auch etwas tun, oder?“ sagte sie leise.
?Etwas Dummes.“
Akira senkte den Blick.
Tr?nen tropften auf den Boden.
?Ich wollte… zur Polizei gehen. Alles sagen. Jetzt sofort. Ich kann das nicht mehr…“
Kathie legte ihm behutsam eine Hand auf die Schulter.
?Nicht jetzt.“
Er sah sie verwirrt an.
?Warum?“
Ihre Stimme war sanft – aber fest.
?Weil Jayden einen klaren Kopf braucht.
Weil eine Entschuldigung nur z?hlt, wenn er wach ist.“
Sie schluckte schwer.
?Wenn er dich sieht. Wenn er selbst entscheiden kann.“
Akira brach endgültig in Tr?nen aus.
Schwestern dr?ngten ins Zimmer.
Maschinen wurden umgestellt.
Monitorwerte blinkten hektisch.
?Wir bringen ihn jetzt in den OP“, erkl?rte der Arzt.
Jonathan beugte sich über Jayden und küsste seine Stirn.
?Bitte k?mpf.“
Dann trat Chen vor.
Er berührte Jaydens Wange.
Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
?Wenn du zurückkommst… bin ich hier.“
Da.
Ein Zucken.
So minimal, dass man es fast übersehen h?tte.
Ein kaum spürbares Zittern in Jaydens Fingern.
Chen erstarrte.
?Jayden…?“
Doch schon rollte das Bett aus dem Zimmer.
Durch den Flur.
In Richtung Operationstrakt.
Die Türen ?ffneten sich.
Und schlossen sich langsam wieder.
Unwiderruflich.

